[kɔn] Paper No.9: LÄRM

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Es sind lärmende Zeiten und es ist Zeit laut zu sein! In unserer No. 9 haben wir die Dezibel-Zahl hochgeschraubt und Zeilen und Verse zum Schwingen gebracht:

In der neuen [kɔn] wird der Lärm in all seiner dauerschallpegeligen Pracht gefeiert, werden alte Kasetten aufgedreht, bis die Nachbarïnnen Sturm läuten. Fette Bässe blubbernder Fritteusen bringen Abzugshauben zum Tanzen und Seniorïnnen spielen mithilfe von heulenden Staubsaugern und pfeifenden Wasserkochern
gegen die stille Tristesse des Alltags auf.

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Beschreibung

Lärm ist nicht gleich Lärm. Rechtlich wird er in Abhängigkeit von Uhrzeit, Frequenz und Ort definiert –
mindestens so wichtig sind jedoch seine Produzentïnnen und Zuhörerïnnen. In der No. 9 wird Lärm als soziale Kategorie
sichtbar – immerhin wurden bereits im Mittelalter unerwünschte Stimmen als Krach klassifiziert und damit ausgeschlossen. Denn Lärm sind eben nicht nur laute Töne, es sind vor allem die Töne der anderen. Deswegen finden sich in unserem [kɔn]terbunten Lärm-Chor neben lautstarken Wortkunst-Texten über unerträgliche Laubbläser und bedrohliches Baustellengetöse auch unerwartet leise Stimmen. Schließlich kann an stillen Orten selbst das leiseste Geräusch zu nervtötendem Getöse werden: Wir horchen in holzvertäfelte deutsche Saunen hinein, wo Nacktheit verpflichtend und Flüstern verboten ist, und lauschen an den schalldurchlässigen Tür- und Fensterritzen der Arbeitszimmer von Kafka und [kɔn]-Mitgliedern. Künstlerïnnen wehren sich mit knallenden Gewehren und scheppernden Soundmaschinen gegen museale Ruhe und in einer Lärm-Historie des Bieres wird dessen Geräuschpegel vom heimischen Bierkränzchen zum Oktoberfestgegröle aufgedreht. In der No. 9 sind wir dem Lärm sogar bis ins Weltall gefolgt, wo eigentlich alles still sein sollte – wären da nicht wummernde Pulsare und natürlich ein gewisser Jeffrey…

Die gewaltvollen Momente des Lärms bemessen sich nicht allein an seiner Dezibel-Zahl: Erzwungene Beifallsorgien, knirschende Zahnräder, Maschinen, die Lebensräume zerstören, und Musikinstrumente der Kolonialmächte offenbaren die unaufhaltsame Kraft, mit der Lärm Menschen wie Tiere zu überrollen vermag. Dabei kann Lärm Problem und Lösung zugleich sein – wenn etwa Bachs Orgel-Musik oder Heavy-Metal-Tracks gegen die unablässig lärmende Außenwelt voll elterlichem Streit und Social-Media-Rauschen in Stellung gebracht werden.

Genausogut kann Lärm ermächtigen und Stimmen hörbar machen, die sonst übertönt werden würden. Darum haben wir vier Organisationen Raum für ihren Protest gegeben: Stimmgewaltig erzählen Sea-Watch, Fridays for Future, die #IchBinHanna-Gründerïnnen und der CSD Deutschland e.V., wie sie mit Demogesängen, Straßenparaden und Tweets gegen Homophobie, das Sterben an EU-Außengrenzen, für bessere Arbeitsbedingungen oder Klimagerechtigkeit kämpfen.

Statt Trommelfellen bringen wir in unserer No. 9 mit lärmenden Texten, Chips-knuspernden Grafiken und brüllenden Illustrationen eure Augäpfel zum Vibrieren! Aber egal, ob lauter, leiser oder bunter Lärm – keiner davon wäre erfahrbar ohne unsere fantastischen Autorïnnen und Künstlerïnnen, die aus der Lärm-[kɔn] ein Lärm[kɔn]zert machen.

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