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Schickt eure Abstracts und Texte bitte an die jeweiligen Ressorts:
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English version below

Die neunte Ausgabe der [kɔn] gehört ganz dem Thema ›Lärm‹. Vom Urknall über Punkkonzerte und Demogesänge bis hin zur Geistervertreibung durch Kuhglockengeläut und düsenjetlauten Babyschreien bei der Sorgearbeit: Lärm durchzieht die Disziplinen ebenso wie den Alltag. Er bewegt sich zwischen Lautstärke und Stille, wird juristisch definiert und subjektiv beurteilt, er wird eingefordert und verboten, produziert und unschädlich gemacht.

Ob Kurzgeschichte, Gedicht, Glosse, Dramolett oder Essay – wir freuen uns auf eure Beiträge für die neue [kɔn]! Passend zu unserer neunten Ausgabe haben wir neun Lärm-­Inspirationen für euch gesammelt:

1. Widerständiger Lärm

Es wird laut. Ob auf dem Tahrir-Platz oder bei den 68ern, bei Fridays for Future oder Ni Una Menos – Lärm ist ein politisches Instrument. Er nimmt Raum ein und definiert ihn neu. Über Stimmbänder und Trillerpfeifen formen sich gemeinschaftliche Protest-Körper und zeigen, dass die ursprüngliche Wortbedeutung von ›Lärm‹ bis heute aktuell ist: Denn begriffsgeschichtlich beruht Lärm auf dem italienischen Aufruf, zu den Waffen zu greifen – all’arme! – woher auch das deutsche ›Alarm‹ stammt.

2. Lärmende Natur

Wie die Trillerpfeifen der Demonstrierenden fordern Löwen mit ihrem Brüllen bestehende Machtverhältnisse heraus. Brüllaffen verständigen sich kilometerweit über Baumwipfel hinweg, das Knallen winziger Pistolenkrebse beim Duell ist lauter als Babyschreie oder Düsenjets und im Namen des ­Kranichs werden lautmalerisch seine trompetenhaften Rufe nachgezeichnet. Angefüllt von Gurren, Grunzen, Trompeten oder Sonar-Klickgeräuschen wird jedes Biotop von seinem ganz eigenen Lärmteppich bedeckt.

3. Lärm-Körper

Von Tinnitus und Gehörverlust über Lärmfolter bis hin zu Lärmkanonen, mit denen man auf Spatzen schießt wie Mao Zedong 1958 (oder in deutschen Innenstädten mit Ultraschall-­Lautsprechern auf Tauben) – Lärm wirkt körperlich. Und das im großen Stil: Menschengemachter Lärm zerstört natürliche Klanglandschaften: Er lässt nicht nur Vögel in Großstädten anders singen, sondern verändert auch radikal das Leben der Meerestiere, die ­Schallwellen zur Jagd, Partnerïnnensuche oder Kommunikation nutzen.

4. Juristischer Lärm

In Umwelt- und Arbeitsschutzgesetzen, im Miet- wie Strafrecht ist ›Lärm‹ ebenso präsent wie im aktuellen Koalitionsvertrag. Ob durch Flüsterasphalt auf Autobahnen, Schallschutzmauern, Big Bubble Curtains unter Wasser oder Verordnungen gegen brüllende Kinder in Flugzeugen – sobald ein hoher Geräuschpegel zur Belastung und Belästigung wird, greifen juristische Rädchen auf der Suche nach technischen Lösungen ineinander.

5. Farbenfroher Lärm

›Lärm‹ kann nicht nur spür-, sondern auch sichtbar sein: Der Pop-Artist Roy Lichtenstein brachte Lärm und Geräusche aus dem Comic auf die große Leinwand – Onomatopoesie als Grenzgängerin zwischen Gehörgang und Augenschein. Visualisierte Geräusche zeigen sich im vibrierenden Wasserglas, sie werden von Oszilloskopen als feine schwarze Linien auf Papier gezeichnet und als Unsichtbares aus der Luft auf glatte Oberflächen gebannt – nicht zuletzt filmisch wie im Jahrhundertwerk Berlin: Sinfonie einer Großstadt.

6. Dramatischer Lärm

Ob metaphorisch, thematisch oder in seiner ganzen knallenden Herrlichkeit – nirgends zeigt sich der Lärm so unterhaltsam wie im Theater: Man denke nur an Shakespeares Viel Lärm um Nichts, Elfriede Jelinek, die 2021 mit Lärm das Stimmengewirr der Pandemie einfängt oder Martin Kušejs Faust-Inszenierung, die 2016 die Zuschauerïnnen mit ohrenbetäubenden Explosionen aus dem Theaterschlaf riss. Dabei beeindrucken dramatische Lärmeffekte und aufwendige Kostüme bereits seit Jahrhunderten bei kulturellen Großereignissen wie dem ­chinesischen Neujahr oder dem Klausentreiben in Alpenregionen.

7. Literarischer Lärm

Auch zwischen den Seiten von Romanen und Gedichtbänden findet sich ein wahres Fest ­lärmender Buchstaben. Mit dem Aufkommen der Metropolen, Automobilen und Zügen bevölkern ab dem 19. Jahrhundert immer mehr lärmende Objekte die Literatur. Zugleich ist der Lärm schon immer erklärter Feind der Schreibenden: War es früher der tollwütige Hund, der Horaz zwischen die Verse grätschte, sind es später für Rilke elektrische Bahnen und lachende Scherben, die ihm die Konzentration zerschneiden.

8. Lärm-Schutz

Hundegebell, Babygeschrei oder Straßenbahngebimmel – laute Geräusche werden häufig als Störung empfunden. Neue Lärmquellen fordern neue Erfindungen wie schalldichte Räumen oder etwa dem »Isolator Helmet« von 1925. Angesichts solcher Selbsttechniken zeigt sich der Lärm auch als Klassen- oder Geschlechterfrage – man denke an Virginia Woolfs Essay A Room of One’s Own: ein Raum frei von Störgeräuschen, ein Denkraum.

9. Wohltemperierter Lärm

Des einen Genuss ist des anderen Lärm – während neue Musikrichtungen häufig gegen den Vorwurf ›nichts als Lärm‹ zu sein ankämpfen, feierten etwa Punk-Bands diese Missbilligung und zelebrierten ihre Musik programmatisch als ›extreme noise‹. Wann und warum Klang für wen zu Musik wird und wann zu Lärm, hängt nicht nur von der Lautstärke ab, sondern ebenso von soziokulturellen Praktiken und konfligierenden Konzepten von Gewohnheit und Genuss – dem eigenen Wissensstand und dem des Feuilletons.

Genug Lärm von unserer Seite, nun seid ihr gefragt:

Wir suchen für die neunte Ausgabe der [kɔn] zum Thema ›Lärm‹ Beiträge auf der ganzen Bandbreite des Wortes – ob als Phänomen des Tierreichs, der Stadtplanung, des Widerstands oder der Bühne – wir wünschen uns Beiträge, die sich sowohl inhaltlich als auch in der Form über das ganze Spektrum der Disziplinen verteilen. Einreichen könnt ihr alles von Texten zu Erfindungen, die Lärm erschaffen oder vermeiden, über Beiträge zu ›Lärm‹ als sozialer Frage bis hin zu Artikeln über ›Lärm‹ in den Künsten.

Bis zum 03.02.2022 freuen wir uns über fertige Beiträge für das Ressort Wortkunst und Ab­stracts von bis zu 300 Wörtern für Essay- und Feuilletonbeiträge. Die fertiggestellten Essay- und Feuilleton-Beiträge mit einer Länge von 6000 bis 20000 Zeichen (die Länge wird bei ­Zusage gemeinsam mit den Ressortleiterïnnen festgelegt) sollen bis April vorliegen. Die Zusagen erfolgen in der Woche ab dem 14. Februar 2022.

Wir sind gespannt! xoxo – eure [kɔn]-Redaktion

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The ninth issue of [kɔn] is all about ›noise‹. From the big bang to punk concerts and protest chants to the banishment of ghosts by the ringing of cowbells, and piercing baby cries during care work: noise permeates everyday life as much as it does academic subjects. It moves between loudness and silence, is legally defined and subjectively judged, it is necessary and forbidden, made both intentionally and unintentionally.

Whether short story, poem, gloss, script or essay – we’re looking forward to your contributions for the upcoming issue of [kɔn]! To coincide with our ninth issue, we‘ve collected nine noise inspirations for you:

1. Political noise

It‘s getting loud. Whether in Tahrir Square or with the 68ers, Fridays for Future or Ni Una Menos, noise is a political instrument. It takes up space and redefines it. Collective protest bodies are formed via vocal cords and whistles, showing that the original meaning of the word ›noise‹ is still relevant today: because conceptually, noise is based on the Italian call to arms – all‘arme! – from where also the German ›Alarm‹ originates.

2. Noisy nature

Like the whistles of demonstrators, lions challenge existing power relations with their roar. Howler monkeys communicate for miles across treetops, tiny pistol crayfish bang louder than jets in a duel, and in the name of the crane its trumpet-like calls are traced onomatopoeically. Filled with cooing, grunting, trumpeting or sonar clicking sounds, each biotope is covered by its very own carpet of noise.

3. Noisy bodies

From tinnitus and hearing loss to noise torture and noise cannons used to shoot sparrows like Mao Zedong in 1958 (or ultrasonic loudspeakers in German inner cities to shoot pigeons) – noise has a physical effect. And it does so on a grand scale: man-made noise destroys natural soundscapes: not only does it make birds in big cities sing differently, but it also radically alters the lives of marine life, which uses sound waves to hunt, find mates, and communicate.

4. Legal noise

Noise is just as present in environmental and occupational safety laws, in tenancy law and criminal law, as it is in Germany’s current coalition agreement. Whether through »whispering asphalt« on highways, soundproof walls, big bubble curtains underwater or regulations against roaring children on airplanes – as soon as a high noise level becomes a burden and a nuisance, legal cogs start turning in the search for technical solutions.

5. Colorful noise

›Noise‹ is not only be felt, but also seen: Pop artist Roy Lichtenstein brought noise and sounds from comics to the big screen – onomatopoeia as a border crosser between auditory and visual. Visualized noises show up in vibrating water glasses, they are drawn as fine black lines on paper by oscilloscopes, and they are captured as invisible things from the air on smooth surfaces, not least cinematically as in the century-old work Symphony of a Big City.

6. Dramatic noise

Whether metaphorically, thematically, or in all its blaring glory, nowhere is noise more entertaining than in the theater: think of Shakespeare‘s Much Ado About Nothing, Elfriede Jelinek‘s 2021 Noise, which captures the pandemic‘s babble of voices, or Martin Kušej‘s 2016 production of Faust, which roused audiences from their theatrical slumber with deafening explosions. Dramatic noise effects and elaborate costumes have been impressing audiences for centuries at major cultural events such as the Chinese New Year or the ›Klausentreiben‹ in Alpine regions.

7. Literary noise

A veritable feast of noisy letters can also be found between the pages of novels and volumes of poetry. With the advent of metropolises, automobiles, and trains, more and more noisy objects populate literature from the 19th century onward. At the same time, noise has always been the declared enemy of writers: If in earlier times it was the rabid dog that straddled Horace‘s verses, later for Rilke it is electric trains and laughing shards that broke his concentration.

8. Noise protection

Dogs barking, babies crying, or streetcars blaring – loud noises are often perceived as a disturbance. New sources of noise demand new inventions such as soundproof rooms or the »Isolator Helmet« from 1925. In view of such self-techniques, noise also reveals itself as a class or gender issue – think of Virginia Woolf‘s essay A Room of One‘s Own: a room free of disturbing noise, a thinking room.

9. Well-tempered noise

One man‘s pleasure is another man‘s noise – while new music genres often fight against the accusation of being ›nothing but noise‹, punk bands, for example, celebrated this disapproval and programmatically celebrated their music as ›extreme noise‹. When and why sound becomes music for whom, and when it becomes noise, depends not only on volume, but equally on socio-cultural practices, on conflicting concepts of habit and enjoyment – one‘s own level of knowledge and that of the feuilleton.

Enough noise from our side, now it‘s your turn:

For the ninth issue of [kɔn] on the theme of ›noise‹, we‘re looking for contributions across the spectrum of the word-whether as a phenomenon of the animal kingdom, urban planning, resistance, or the stage – we want contributions that span the spectrum of disciplines, both in content and form. You can submit anything from texts on inventions that create or avoid noise, to contributions on ›noise‹ as a social issue, to articles on ‚noise‘ in the arts.

We welcome completed submissions for the Word Arts department and abstracts of up to 300 words for essay and feature articles until Feb. 3, 2022. Completed essay and feature articles of either 6000 or 20000 characters (the length will be determined together with the department heads) characters max should be submitted by April. Notification of acceptance will be made during the week beginning February 14th, 2022.

We are looking forward to it! xoxo – your [kɔn] editorial team

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